Glossar

Schrumpfdruck

Schrumpfdruck bezeichnet die mechanische Spannungsbelastung, die entsteht, wenn Verguss‑ oder Reaktionsmaterialien während der Aushärtung vom flüssigen in den festen Zustand übergehen und sich dabei volumetrisch zusammenziehen. Dieser Effekt tritt insbesondere bei zweikomponentigen Systemen auf, bei denen eine chemische Reaktion zwischen A‑ und B‑Komponente stattfindet.
Der beim Schrumpfen entstehende Druck kann auf die vergossenen Bauteile oder Bauteiloberflächen einwirken und ist daher ein wichtiger Faktor für Zuverlässigkeit, Langzeitstabilität und Bauteilschutz.

Funktionsweise und Bedeutung des Schrumpfdrucks
Während der Aushärtung von Vergussmassen, Gießharzen oder Reaktionsharzen kommt es zu einer chemischen Vernetzung der Moleküle. Diese Vernetzung führt zu einer Volumenreduktion des Materials.
Da das Material:

  • an Bauteilen haftet,
  • an Gehäusewänden fixiert ist oder
  • in geschlossenen Formen aushärtet,

kann die Volumenschrumpfung nicht frei stattfinden. Stattdessen entstehen innere Spannungen, die sich als Schrumpfdruck auf die umgebenden Komponenten übertragen.

Einflussfaktoren auf den Schrumpfdruck
Die Höhe und Wirkung des Schrumpfdrucks hängt von mehreren Parametern ab:

  • Chemische Zusammensetzung
    Art des Harzsystems (PU, EP, Silikon etc.)
    Vernetzungsgrad und Reaktionsmechanismus
     
  • Materialvolumen
     
  • Große Vergussvolumina erzeugen höhere absolute Schrumpfkräfte
     
  • Geometrie des Bauteils
     
  • Hinterschnitte, Hohlräume und Wandstärken beeinflussen Spannungsverteilung
     
  • Elastizität des Materials
    Starre Systeme erzeugen höhere Spannungen
    Elastische Systeme können Schrumpfbewegungen besser ausgleichen
     
  • Prozessbedingungen
    Temperaturführung
    Aushärtungsgeschwindigkeit

Merkmale und Besonderheiten des Schrumpfdrucks

  • Tritt ausschließlich während oder nach der Aushärtung auf
  • Ist material‑ und geometrieabhängig
  • Kann mechanische und elektrische Bauteile belasten
  • Besonders relevant bei empfindlicher Elektronik
  • Beeinflusst Langzeitzuverlässigkeit und Ausfallrisiken
  • Lässt sich durch Materialauswahl und Prozessführung steuern

Schrumpfdruck ist kein Qualitätsfehler, sondern ein physikalisch‑chemisch bedingter Effekt, der konstruktiv berücksichtigt werden muss.

Typische Anwendungsfälle
Schrumpfdruck spielt eine Rolle bei:

  • Verguss von Elektronik und Leiterplatten
  • Reaktionsharzen und Gießharzen
  • Polyurethan‑ und Epoxidharzsystemen
  • Sensor‑, Steuer‑ und Leistungselektronik
  • Verkapselung empfindlicher Bauteile
  • Hochpräzisen oder spannungssensiblen Komponenten

Praxisbeispiele

  • Elektronikverguss mit starrem Harz, bei dem Schrumpfdruck mechanische Spannungen auf Lötstellen erzeugen kann
  • Großvolumiger Verguss, bei dem das Materialvolumen entscheidend für die Höhe des Schrumpfdrucks ist
  • Elastischer Vergusswerkstoff, der Schrumpfung besser kompensiert und Bauteile schont

Vorteile einer kontrollierten Schrumpfdruck‑Auslegung

  • Schutz empfindlicher Bauteile
  • Erhöhte Langzeitzuverlässigkeit
  • Reduziertes Risiko von Rissen oder Delamination
  • Höhere mechanische und elektrische Sicherheit
  • Optimierte Material‑ und Prozessauswahl
  • Stabilere Serienprozesse

Häufige Fragen (FAQ)

  • Was ist Schrumpfdruck?
    Die Spannungsbelastung, die durch Volumenschrumpfung während der Aushärtung entsteht.
  • Ist Schrumpfdruck vermeidbar?
    Nicht vollständig, aber durch geeignete Materialien und Prozesse reduzierbar.
  • Warum ist Schrumpfdruck kritisch?
    Weil er empfindliche Bauteile mechanisch belasten oder beschädigen kann.
     


Schrumpfdruck ist ein wesentlicher physikalischer Effekt bei Verguss‑ und Reaktionsharzsystemen, der durch die Volumenschrumpfung während der Aushärtung entsteht. Seine Stärke hängt von Material, Volumen, Geometrie und Prozessführung ab. Ein bewusstes Verständnis und die gezielte Auslegung schrumpfoptimierter Materialien sind entscheidend, um Bauteile zuverlässig zu schützen und langfristige Funktionalität sicherzustellen. Damit ist der Schrumpfdruck ein zentraler Bewertungsparameter bei der Auswahl moderner Verguss‑ und Gießmaterialien.