Glossar
LSR (Liquid Silicone Rubber)
LSR (Liquid Silicone Rubber), auf Deutsch Flüssigsilikonkautschuk, ist ein niedrigviskoses, vernetzbares Silikonelastomer, das überwiegend im Spritzgießverfahren verarbeitet wird. LSR besteht in der Regel aus einem zweikomponentigen System, das erst im Werkzeug unter Wärmeeinwirkung aushärtet.
Aufgrund seiner besonderen Materialeigenschaften eignet sich LSR ideal für die serielle Herstellung präziser, elastischer und langlebiger Formteile, insbesondere für Dichtungen, technische Elastomerbauteile und Funktionskomponenten.
Funktionsweise und Bedeutung
LSR wird meist als 2K‑System geliefert, bestehend aus:
- einer Grundkomponente (Silikonpolymer)
- einer Vernetzer‑ bzw. Katalysatorkomponente
Diese werden in einem definierten Mischungsverhältnis aufbereitet und anschließend direkt in das temperierte Spritzgusswerkzeug eingespritzt. Dort erfolgt die thermische Vernetzung (Additionsvernetzung) zu einem elastischen Silikonkautschuk.
Ein wesentlicher Vorteil:
Viele LSR‑Typen besitzen selbstklebende (Self‑Bonding) Eigenschaften, wodurch Bauteile direkt auf Thermoplaste oder Metalle angespritzt werden können – ohne zusätzliche Haftvermittler.
Merkmale und Besonderheiten von LSR
- Sehr niedrige Viskosität (ideal für Spritzguss)
- Hohe Elastizität und Rückstellfähigkeit
- Exzellente Temperaturbeständigkeit
- Sehr gute Medien‑ und Alterungsbeständigkeit
- Gute elektrische Isolationseigenschaften
- Biokompatibilität (je nach Typ)
- Selbstklebende Varianten verfügbar
- Sehr enge Toleranzen möglich
LSR verbindet die Eigenschaften klassischer Silikone mit einer hochautomatisierbaren Serienverarbeitung.
Verarbeitung: LSR‑Spritzgießen
Das LSR‑Spritzgießverfahren zeichnet sich aus durch:
- kalte Materialzuführung
- temperiertes Werkzeug
- sehr kurze Zykluszeiten
- vollautomatische Serienfertigung
Häufig wird LSR im Mehrkomponenten‑Spritzguss eingesetzt (z. B. LSR‑auf‑Thermoplast), insbesondere für integrierte Dicht‑ und Funktionslösungen.
Typische Anwendungsfälle
LSR wird branchenübergreifend eingesetzt, u. a. in:
- Automobilindustrie
Formdichtungen
Dichtlippen
Sensor‑ und Steckerdichtungen - Medizintechnik
- Elektronik‑ und Elektrotechnik
- Haushalts‑ und Konsumgüter
- Lebensmittel‑ und Getränkeindustrie
Der Automobilbereich ist dabei eines der wichtigsten Einsatzfelder, da LSR temperatur‑, alterungs‑ und medienbeständig ist und hohe Prozesssicherheit bietet.
Praxisbeispiele
- LSR‑Formdichtung, direkt auf ein Thermoplastbauteil angespritzt (selbstklebend)
- Technisches LSR‑Formteil, gefertigt im Hochpräzisions‑Spritzguss
- Dichtungskomponente im Automobil, die dauerhaft extremen Temperaturen standhält
Vorteile und Nutzen von LSR
- Hohe Prozess‑ und Seriensicherheit
- Exzellente Maß‑ und Wiederholgenauigkeit
- Langlebige, elastische Bauteile
- Reduzierte Montageschritte durch Selbsthaftung
- Geeignet für komplexe Geometrien
- Sehr gute Temperatur‑ und Medienbeständigkeit
- Ideal für automatisierte Großserien
Häufige Fragen (FAQ)
- Was ist LSR (Liquid Silicone Rubber)?
Ein flüssiger, vernetzbarer Silikonkautschuk für das Spritzgießverfahren. - Warum wird LSR im Automobilbereich eingesetzt?
Wegen seiner Temperaturbeständigkeit, Elastizität und Prozesssicherheit. - Was bedeutet selbstklebendes LSR?
LSR, das ohne Primer direkt auf andere Werkstoffe haftet.
LSR (Liquid Silicone Rubber) ist ein leistungsfähiger Werkstoff für hochpräzise, elastische und langlebige Formteile. Durch seine niedrige Viskosität, die thermische Vernetzung im Spritzguss und die Möglichkeit zur selbstklebenden Verarbeitung eignet sich LSR besonders für automatisierte Serienprozesse. Insbesondere im Automobil‑, Elektro‑ und Medizintechnikbereich ist LSR heute ein unverzichtbarer Werkstoff für funktionale Dicht‑ und Elastomerbauteile.