Glossar
Inkrementale Wegmessung
Die inkrementale Wegmessung ist ein Messverfahren zur Bestimmung von Positionen und Verfahrwegen, bei dem Bewegungen durch das Abzählen einzelner, gleich großer Längenschritte (Inkremente) erfasst werden. Die aktuelle Position ergibt sich aus der Summierung dieser Inkremente.
Da bei diesem Verfahren keine absolute Positionsinformation gespeichert ist, ist das Anfahren eines Referenz- oder Nullpunkts notwendig, um eine definierte Ausgangsposition zu bestimmen.
Funktionsweise und Bedeutung
Bei der inkrementalen Wegmessung erzeugt ein Weg‑ oder Drehgeber Impulse, sobald sich eine Achse oder ein Bauteil bewegt. Jeder Impuls entspricht einem fest definierten Wegabschnitt. Die Steuerung zählt diese Impulse und berechnet daraus:
- den zurückgelegten Weg
- die relative Position
- die Geschwindigkeit (über Zeitmessung der Impulse)
Nach dem Einschalten oder nach einem Energieausfall kennt das System jedoch keine absolute Position. Deshalb ist das Referenzieren (Homing) erforderlich, bei dem ein definierter Referenzpunkt angefahren wird.
Merkmale und Besonderheiten der inkrementalen Wegmessung
- Relative Positionsmessung
- Positionsbestimmung durch Zählen von Impulsen
- Keine absolute Positionsinformation nach Spannungsunterbrechung
- Referenzpunkt zwingend erforderlich
- Sehr hohe Auflösung möglich
- Schnelle Signalverarbeitung
- Kostengünstiger als absolute Wegmesssysteme
Inkrementale Systeme bestehen meist aus inkrementalen Dreh‑ oder Lineargebern und einer entsprechenden Zählelektronik in der Steuerung.
Typische Anwendungsfälle
- Werkzeug‑ und Produktionsmaschinen
- CNC‑Maschinen
- Portal‑ und Handlingssysteme
- Förder‑ und Positioniersysteme
- Automatisierungs‑ und Robotiklösungen
- Achsen mit häufigem Referenzieren
Praxisbeispiele
- CNC‑Maschinenachse, deren Position durch inkrementalen Lineargeber erfasst wird
- Förderbandsteuerung, bei der der zurückgelegte Weg über gezählte Impulse bestimmt wird
- Portalachse, die nach jedem Einschalten einen Referenzschalter anfährt
Vorteile und Nutzen der inkrementalen Wegmessung
- Hohe Messauflösung
- Schnelle Reaktion bei Bewegungen
- Einfache Systemarchitektur
- Vergleichsweise geringe Kosten
- Bewährtes und robustes Messprinzip
- Gut geeignet für dynamische Anwendungen
Häufige Fragen (FAQ)
- Was ist inkrementale Wegmessung?
Ein Messverfahren, das Positionen durch das Zählen einzelner Längenschritte ermittelt. - Warum ist ein Referenzpunkt notwendig?
Weil nach dem Einschalten keine absolute Positionsinformation vorhanden ist. - Was ist der Unterschied zur absoluten Wegmessung?
Absolute Systeme liefern jederzeit eine eindeutige Position ohne Referenzfahrt.
Die inkrementale Wegmessung ist ein weit verbreitetes, praxisbewährtes Messverfahren in der Maschinen‑ und Automatisierungstechnik. Durch das Abzählen von Inkrementen lassen sich Bewegungen sehr präzise erfassen. Der notwendige Referenzvorgang nach dem Einschalten ist der zentrale Unterschied zur absoluten Wegmessung. Aufgrund ihrer hohen Auflösung, schnellen Verarbeitung und Wirtschaftlichkeit ist die inkrementale Wegmessung ideal für viele industrielle Anwendungen.