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11.03.2021

„Produktverantwortung über den gesamten Lebenszyklus“

Der Fachverband Schaumkunststoffe und Polyurethane e. V. (FSK) repräsentiert verarbeitende Unternehmen sowie Rohstoffunternehmen, Maschinenhersteller und Systemhäuser/Formulierer aus der DACH-Region und umliegenden Ländern. Original Equipment Manufacturer (OMEs) wie Volkswagen gehören ebenso zu den Mitgliedern wie auch der Recycling-Spezialist RAMPF Eco Solutions. Wir haben FSK-Geschäftsführer Klaus Junginger gefragt, welche Rolle Polyurethanrecycling im Verband einnimmt und warum der vielseitige Kunststoff ein Schlüsselwerkstoff für eine ganzheitliche Kreislaufwirtschaft sein könnte.

Herr Junginger, die mediale Präsenz von Nachhaltigkeit und Recycling hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Haben diese Themen auch für den FSK und seine Mitgliedsunternehmen an Bedeutung gewonnen? Wenn ja: Wie äußert sich dies?

Die Themen Nachhaltigkeit, Umweltschutz, Recycling und Verwertung spielen in Politik und Gesellschaft eine große Rolle. Hier hat in den vergangenen Jahrzehnten ein sicherlich notwendiges und zukunftsweisendes Umdenken stattgefunden. Nationale und europäische Gesetzgebung und auch globale Vereinbarungen und Zielsetzungen haben die klare Tendenz, Unternehmen in die Produktverantwortung über den gesamten Lebenszyklus hinweg zu nehmen. Bereits in der Produktentwicklung spielen Betrachtungen zu Recycling und Verwertung eine große Rolle.

Diese Verantwortung trifft selbstverständlich auch unsere Mitglieder, sie stellen sich der Herausforderung mit Blick auf die Zukunft gerne und der FSK unterstützt und begleitet diese Themen. Ganz aktuell können wir dies feststellen bei den Schaumstoffverarbeitern: Diese haben sich ganz bewusst in einer neuen Fachgruppe zusammengeschlossen, um aktuelle Themen wie Nachhaltigkeit gemeinsam anzugehen. Ebenso ein aktuelles, wenn auch nicht mehr brandneues Thema ist der Leichtbau: Neue Technologien und gezielter Materialeinsatz zugunsten von Energieeffizienz und Umweltschutz sind ein wichtiger Bereich im FSK und für die Branche. Polyurethan (PUR) kann hier mit seinen ausgezeichneten Eigenschaften ein Schlüsselwerkstoff werden. Darüber hinaus erarbeiten wir ein Konzept, das unseren Innovationspreis um die Kategorie Nachhaltigkeit ergänzt.

 

Der FSK hat bereits in 2003 das Gremium „Recycling und Verwertung“ gegründet. Was ist dessen Zielsetzung? Wie viele Mitglieder hat das Gremium und welche Themen werden aktuell bearbeitet?

Die Arbeitsgruppe Recycling und Verwertung befasst sich seit Beginn mit aktuellen und zukünftigen Anforderungen aus der Gesetzgebung, unter anderem Themen wie Deponieverbot, Abfallrahmenrichtlinie, Altautogesetzgebung, Umsetzung der Elektrorichtlinie und Verpackungsverordnung/-Gesetz beziehungsweise Kreislaufwirtschaft- und Abfallgesetz.

Die Arbeitsgruppe besteht aus Mitgliedern des FSK, die sich diesen Fragen in besonderer Weise widmen wollen und hierfür aktiv und innerhalb des Verbands einbringen. Es handelt sich dabei zum einen um Unternehmen, die sich mit der Verwertung von Abfällen befassen, zum anderen um solche, die Rezyklate in der Produktion einsetzen beziehungsweise sich in besonderer Weise mit der Verwertung von Altkunststoffen befassen und zur Kreislaufwirtschaft beitragen wollen.

Der Einsatz von Recyclaten in neuen Produkten ohne Qualitäts- und Eigenschaftsverluste ist eine enorme Errungenschaft unserer Branche.

Das Schöne in unserem Verband ist jedoch, dass alle Fachgruppen für alle Mitgliedsunternehmen mit ihrer Expertise zu einzelnen Themen und Treffen offen sind. So freuen wir uns auch, wenn wir im Rahmen unserer Veranstaltungen wie der Besichtigung der Verwertungsanlage der Odenwald-Chemie GmbH, PDR Recycling GmbH + Co. KG oder des Recyclingzentrums Kunststoffe von VW von Vorbildern profitieren können. In der Verknüpfung verschiedener Bereiche sehen wir einen Schlüssel zu einem gesamtheitlichen Nachhaltigkeitsansatz. So nehmen wir Themen des Recyclings und der Verwertung auch in das Programm unserer Fachtagung mit auf, die sich mit Innovationen, Technik und Werkstoffen befasst. Die Veranstaltung „REACH meets Recycling“ in Italien hat den Bereich zudem mit einem anderen großen Thema verknüpft: dem europäischen Chemikalienrecht. [REACH (Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals) ist eine EU-Chemikalienverordnung, die am 1. Juni 2007 in Kraft getreten ist.]

Unter aktiver Mitarbeit der Gremiumsmitglieder haben wir auch unseren Verhaltenskodex entwickelt, der natürlich einen Passus zum Thema Nachhaltigkeit, Recycling und Verwertung enthält. Aktuelle Themen decken wir darüber hinaus auch über unsere Trägerschaft im Gesamtverband Kunststoffverarbeitende Industrie, GKV, ab. So hat der GKV im vergangenen Jahr in Zusammenarbeit mit vier weiteren Verbänden gezielt Kritik und rechtliche Prüfung des Produktverbots im neuen Kreislaufwirtschaftsgesetz anbringen können. 

Was ist in den vergangenen 20 Jahren im Bereich PUR-Recycling erreicht worden?

Die Anzahl der Gesetze im Bereich Recycling und Verwertung und deren ständige Novellierungen zeigen, dass sich vieles verändert hat und ein Umdenken Einzug hält. Bereits im Entwicklungs- und Produktionsprozess spielen Faktoren wie Energieeinsatz und -effizienz, Ressourcenschonung, Lebenszyklus und -ende, ökologische Gesamtbilanz und Nachhaltigkeit eine Rolle. Laut Umweltbundesamt wurden 2015 rund 5,88 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle verwertet. 1994 waren es nur 1,4 Millionen Tonnen. Das Stoffstrombild Kunststoffe in Deutschland verdeutlicht diesen enormen Wandel ebenfalls: In den letzten Jahren ist die Rezyklatmenge jährlich um rund fünf Prozent gestiegen, während die Einsatzmenge neuer Kunststoffe um zweieinhalb Prozent zurückging. Dies ist ständiger Fortentwicklung hochwertiger Recycling-Technologien geschuldet. Der Einsatz von Recyclaten in neuen Produkten ohne Qualitäts- und Eigenschaftsverluste ist eine enorme Errungenschaft der letzten 20 Jahre in unserer Branche.

Der angestrebte Ausbau der werkstofflichen Verwertung ist jedoch in vielen Bereichen noch mit hohem Aufwand und Kosten verbunden und damit unverhältnismäßig. Die rohstoffliche und energetische Verwertung helfen in diesem Fall, alle Kunststoffe in der Kreislaufwirtschaft zu nutzen. Die PUR-Branche empfindet so wie die Kunststoffbranche im Gesamten die Kreislaufwirtschaft nicht nur als Herausforderung, sondern auch als Chance und legt ihre gesamten Anstrengungen an die Erfüllung sämtlicher Auflagen und Entwicklung weitergehender und neuer Wege. 

Wir freuen uns, dass sich RAMPF Eco Solutions in unseren Verband und Marco Werth als ehrenamtlicher, stellvertretender Sprecher in den Arbeitskreis Verwertung und Recycling einbringen. 

Worin sehen Sie das größte Potenzial und die größten Herausforderungen beim PUR-Recycling?

Das größte Potential und die größte Herausforderung dürften in der Vielfältigkeit und den breiten Anwendungsgebieten des Werkstoffes liegen. PUR wird aufgrund seiner herausragenden Eigenschaften in beinahe jedem Lebensbereich eingesetzt. Die Herausforderungen, die sich für die Entwicklung der einzelnen Produkte und den Einsatz vom Verbraucherprodukt hin zum Spezialprodukt im sensiblen Bereich ergeben, werden sich auch im PUR-Recycling widerspiegeln. Allerdings sind hier bereits viele technische und innovative Erfolge gefeiert worden, auf die wir aufbauen und weiterentwickeln können.

Herr Junginger, wir danken Ihnen für das informative Gespräch und wünschen Ihnen und dem FSK weiterhin viel Erfolg.

Demnächst im RAMPF-Blog: Interview mit Geschäftsführer Matthias Rampf und Vertriebs- & Marketing-leiter Marco Werth von RAMPF Eco Solutions über die Vorreiterrolle des Unternehmens beim chemischen Recycling von Polyurethan!

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