Glossar

RTI

Der RTI (Relative Temperature Index) ist ein materialtechnischer Kennwert, der die thermische Langzeit‑Alterungsbeständigkeit von Polymeren beschreibt. Er ist in der Norm UL 746 B definiert und gibt an, welche Dauertemperatur ein Werkstoff über 100.000 Stunden standhält, ohne dass seine wesentlichen Eigenschaften unter einen festgelegten Grenzwert fallen.
Der RTI ist insbesondere für elektrische, elektrotechnische und industrielle Anwendungen ein entscheidendes Auswahlkriterium für Kunststoffe und Isoliermaterialien.

Bedeutung und Funktionsweise des RTI
Kunststoffe unterliegen bei erhöhter Temperatur einer thermischen Alterung, wodurch sich ihre Eigenschaften im Laufe der Zeit verschlechtern können. Der RTI bewertet diese Alterungsprozesse systematisch.
Im Rahmen der RTI‑Prüfung werden Probekörper eines Materials über lange Zeiträume verschiedenen erhöhten Temperaturen ausgesetzt. Gemessen wird dabei die Veränderung definierter Materialeigenschaften im Vergleich zum Ausgangszustand.
Ein Material erreicht seinen RTI‑Wert, wenn die untersuchte Eigenschaft auf 50 % des Ausgangswertes abgesunken ist.

Bewertete Eigenschaften beim RTI
Je nach Anwendung betrachtet der RTI unterschiedliche Eigenschaftskategorien, z. B.:

  • Elektrischer RTI (RTI E):
    Durchschlagfestigkeit
    elektrische Isoliereigenschaften
     
  • Mechanischer RTI (RTI M):
    Zugfestigkeit
    mechanische Belastbarkeit
     
  • Mechanischer RTI unter Schlagbeanspruchung (RTI M+S)
    kombinierte mechanische Beanspruchung

In der Praxis werden meist Durchschlagfestigkeit und Zugfestigkeit als Haupteigenschaften analysiert.

Prüfmethodik und Arrhenius‑Modell
Die Auswertung der RTI‑Prüfungen erfolgt mithilfe der Arrhenius‑Gleichung, die häufig zur Beschreibung von Alterungs‑ und Reaktionsprozessen verwendet wird.
Vereinfacht:

  • Das Material wird bei mehreren erhöhten Temperaturen gealtert
  • Die Zeit bis zum Erreichen von 50 % der Anfangseigenschaft wird erfasst
  • Spätestens nach 10.000 Stunden Prüfdauer erfolgt eine Extrapolation auf 100.000 Stunden

Der daraus abgeleitete Temperaturwert ist der RTI des Materials.

Merkmale und Besonderheiten des RTI

  • Normierter Kennwert nach UL 746 B
  • Aussage über Dauertemperaturbeständigkeit
  • Langzeit‑ statt Kurzzeitbetrachtung
  • Vergleichbarkeit unterschiedlicher Materialien
  • Relevanz für elektrische und mechanische Anwendungen
  • Bestandteil von UL‑Zulassungen und Datenblättern

Der RTI beschreibt keine maximale Kurzzeittemperatur, sondern eine langfristige Einsatzgrenze.

Typische Anwendungsfälle
Der RTI ist besonders wichtig bei:

  • Elektrischen und elektronischen Bauteilen
  • Isolierstoffen und Vergussmaterialien
  • Kunststoffgehäusen und technischen Formteilen
  • Maschinen‑ und Anlagenbau
  • Automotive‑Elektronik
  • Elektro‑ und Energietechnik
  • Auswahl UL‑zertifizierter Materialien

Praxisbeispiele

  • Vergussmaterial mit hohem RTI, geeignet für dauerhaften Einsatz bei erhöhten Temperaturen
  • Kunststoffgehäuse, dessen RTI die Einsatzfreigabe in elektrischen Geräten bestimmt
  • Materialvergleich, bei dem der RTI entscheidend für die Werkstoffauswahl ist

Vorteile und Nutzen des RTI

  • Verlässliche Aussage zur Langzeit‑Temperaturbeständigkeit
  • Vergleichbare Bewertung unterschiedlicher Kunststoffe
  • Unterstützung bei sicherer Materialauswahl
  • Reduziertes Ausfall‑ und Alterungsrisiko
  • Einhaltung von UL‑ und Sicherheitsanforderungen
  • Planungssicherheit für langlebige Produkte

Häufige Fragen (FAQ)

  • Was bedeutet RTI?
    Der Relative Temperature Index beschreibt die Dauertemperaturbeständigkeit eines Materials.
  • Welche Norm regelt den RTI?
    Die Norm UL 746 B.
  • Ist RTI gleich maximale Einsatztemperatur?
    Nein, RTI bezieht sich auf Langzeitbelastung über 100.000 Stunden.

     


Der RTI (Relative Temperature Index) ist ein zentraler Kennwert zur Bewertung der thermischen Langzeit‑Alterungsbeständigkeit von Polymeren. Auf Basis normierter Prüfungen nach UL 746 B gibt er an, bis zu welcher Temperatur ein Material über viele Jahre hinweg zuverlässig eingesetzt werden kann, ohne kritische Eigenschaftsverluste zu erleiden. Besonders in der Elektro‑, Elektronik‑ und Kunststofftechnik ist der RTI ein entscheidendes Kriterium für Produktsicherheit, Zulassung und Langzeitzuverlässigkeit.