Glossar

Reißdehnung (Bruchdehnung)

Die Reißdehnung, auch Bruchdehnung genannt, ist ein mechanischer Kennwert, der beschreibt, wie stark sich ein Material bis zum Bruch dehnen lässt. Sie gibt an, um wie viel Prozent sich ein Werkstoff unter Zugbelastung verlängert, bevor er reißt.
Die Reißdehnung ist ein wichtiger Indikator für die Verformungsfähigkeit, Zähigkeit und Belastbarkeit eines Materials und wird insbesondere bei Kunststoffen, Elastomeren und Polymeren betrachtet.
 
Bedeutung und Messung der Reißdehnung
Die Reißdehnung wird im Rahmen einer Zug‑ bzw. Reißprobe ermittelt. Dabei wird ein genormter Probekörper mit definierter Geschwindigkeit auseinandergezogen, bis es zum Bruch kommt.
Die Berechnung erfolgt nach folgender Grundformel:

Reißdehnung (%) = Längenänderung bis zum Bruch / ursprüngliche Länge x 100

 

Das Ergebnis wird als Prozentwert (%) angegeben und beschreibt die maximale Dehnung des Materials beim Versagen.

Aussagekraft der Bruchdehnung
Die Reißdehnung liefert wichtige Informationen über das mechanische Verhalten eines Werkstoffs:

  • Hohe Reißdehnung
    Material ist dehnbar, zäh und oft elastisch
  • Niedrige Reißdehnung
    Material ist steif, spröde oder stark vernetzt

Sie ergänzt andere Kennwerte wie:

  • Zugfestigkeit
  • E‑Modul
  • Schlagzähigkeit

Gemeinsam geben diese Werte ein vollständiges Bild der mechanischen Leistungsfähigkeit eines Materials.

Merkmale und Besonderheiten der Reißdehnung

  • Materialkennwert der mechanischen Prüfung
  • Ermittelt bei Zug‑ oder Reißversuchen
  • Abhängig von Materialart und ‑struktur
  • Stark temperatur‑ und prüfbedingungenabhängig
  • Besonders aussagekräftig für Kunststoffe und Elastomere
  • Nicht identisch mit elastischer Dehnung (enthält plastische Anteile)

Die Reißdehnung beschreibt die Gesamtdehnung bis zum Versagen, nicht nur den elastischen Bereich.

Typische Anwendungsfälle
Die Reißdehnung ist relevant bei:

  • Kunststoffen und Polymeren
  • Elastomeren und Dichtmaterialien
  • PU‑, EP‑ und Reaktionsharzen
  • Schaumstoffen
  • Technischen Form‑ und Funktionsteilen
  • Werkstoffvergleich und Materialauswahl
  • Qualitätssicherung und Wareneingangsprüfung

Praxisbeispiele

  • PU‑Elastomer mit hoher Reißdehnung, geeignet für flexible Dichtungen
  • Spröder Kunststoff mit geringer Bruchdehnung, eingesetzt für steife Strukturbauteile
  • Materialvergleich, bei dem die Reißdehnung zur Auswahl eines geeigneten Werkstoffs herangezogen wird

Vorteile und Nutzen der Reißdehnung als Kennwert

  • Bewertung der Dehn‑ und Zähigkeitseigenschaften
  • Einschätzung des Bruchverhaltens
  • Vergleich unterschiedlicher Werkstoffe
  • Unterstützung bei Materialauswahl
  • Aussage über Belastbarkeit unter Zug
  • Wichtiger Parameter für dynamisch belastete Bauteile

Häufige Fragen (FAQ)

  • Was ist die Reißdehnung?
    Der prozentuale Längenzuwachs eines Materials bis zum Bruch.
  • Ist Reißdehnung dasselbe wie Elastizität?
    Nein, sie umfasst sowohl elastische als auch plastische Verformung.
  • Warum ist die Bruchdehnung wichtig?
    Sie zeigt, wie stark ein Werkstoff belastet werden kann, bevor er versagt.
     


Die Reißdehnung (Bruchdehnung) ist ein zentraler mechanischer Kennwert, der die Verformungsfähigkeit und Belastbarkeit eines Materials bis zum Bruch beschreibt. Als Prozentwert gibt sie Auskunft darüber, wie zäh oder spröde ein Werkstoff ist und ergänzt weitere Kennwerte wie Zugfestigkeit und Elastizitätsmodul. Besonders bei Kunststoffen, Elastomeren und Reaktionsharzen ist die Reißdehnung ein entscheidendes Kriterium für Materialauswahl, Qualitätsbewertung und Einsatzsicherheit.