Glossar

Reaction Injection Moulding (RIM)

Reaction Injection Moulding (RIM) ist ein reaktives Formgebungsverfahren zur Herstellung von Kunststoffformteilen, bei dem niedrigviskose flüssige Ausgangskomponenten erst unmittelbar vor der Verarbeitung gemischt und anschließend in eine geschlossene Form eingespritzt werden.
Durch eine chemische Polyadditionsreaktion entsteht in der Form ein neuer Kunststoff – meist Polyurethan (PU). RIM eignet sich besonders für die wirtschaftliche Herstellung großformatiger, komplexer und dickwandiger Bauteile mit hoher Designfreiheit.

Funktionsweise und Bedeutung des RIM‑Verfahrens
Beim RIM‑Verfahren werden zwei reaktive Komponenten – typischerweise:

  • Polyol‑Komponente (A‑Komponente)
  • Isocyanat‑Komponente (B‑Komponente)

erst kurz vor der Applikation in der Mischkammer eines Dosier‑ bzw. Mischkopfs zusammengeführt. Die Mischung wird mit geringem Druck in ein temperiertes Werkzeug eingebracht.
Innerhalb der Form:

  • setzt unmittelbar die Polyadditionsreaktion ein,
  • das Material reagiert, expandiert ggf. leicht und
  • härtet zum finalen Kunststoffbauteil aus.

Die niedrige Viskosität ermöglicht eine vollständige Formfüllung, auch bei komplexen Geometrien und großen Bauteilen.

Merkmale und Besonderheiten von Reaction Injection Moulding

  • Verarbeitung niedrigviskoser Reaktionsharze
  • Geringer Werkzeuginnendruck im Vergleich zum Spritzgießen
  • Herstellung großer und dickwandiger Bauteile möglich
  • Hohe Gestaltungs‑ und Designfreiheit
  • Integration von Funktionselementen (Einleger, Gewindebuchsen, Verstärkungen)
  • Gute Oberflächenqualität bei geeigneter Werkzeugauslegung
  • Einsatz verschiedener PU‑Systeme möglich

RIM verbindet Formgebung und chemische Aushärtung in einem Prozessschritt.

Abgrenzung zu verwandten Verfahren

  • RIM: niedriger Druck, chemisch reagierende Systeme
  • Spritzguss: hoher Druck, thermoplastische Kunststoffe
  • RTM (Resin Transfer Moulding): Faserverstärkung mit Harzinjektion
    RIM ist besonders attraktiv bei kleinen bis mittleren Stückzahlen und großen Bauteilen.

Typische Anwendungsfälle
Reaction Injection Moulding wird eingesetzt für:

  • Großformatige Gehäuse und Abdeckungen
  • Struktur‑ und Designbauteile
  • Verkleidungen und Schutzgehäuse
  • Maschinen‑ und Anlagenbau
  • Fahrzeug‑ und Transporttechnik
  • Medizintechnik‑ und Industriegehäuse
  • Funktionsteile mit Hinterschnitten oder integrierten Elementen

Praxisbeispiele

  • Großflächiges Maschinengehäuse, hergestellt im RIM‑Verfahren aus Polyurethan
  • Designorientierte Abdeckung, mit integrierten Befestigungselementen
  • Strukturbauteil mit Einlegeteilen, direkt im Formprozess vergossen

Vorteile und Nutzen von Reaction Injection Moulding

  • Wirtschaftlich für große Bauteile
  • Geringe Werkzeugbelastung und -kosten
  • Hohe Design‑ und Funktionsintegration
  • Gute Oberflächenqualität
  • Geringes Bauteilgewicht
  • Reproduzierbare Qualität
  • Flexibel anpassbare Materialeigenschaften

Häufige Fragen (FAQ)

  • Was ist Reaction Injection Moulding?
    Ein reaktives Formverfahren zur Herstellung von Kunststoffformteilen, meist aus Polyurethan.
  • Worin unterscheidet sich RIM vom Spritzgießen?
    RIM arbeitet mit niedrigerem Druck und chemischer Reaktion statt thermoplastischer Schmelze.
  • Welche Materialien werden im RIM eingesetzt?
    Vor allem Polyurethan‑Systeme, teilweise auch modifizierte Reaktionsharze.
     


Reaction Injection Moulding (RIM) ist ein leistungsfähiges und flexibles Kunststoffverarbeitungsverfahren, das insbesondere für großformatige, komplexe und designorientierte Bauteile geeignet ist. Durch die reaktive Verarbeitung niedrigviskoser Komponenten und die Polyadditionsreaktion in der Form ermöglicht RIM eine wirtschaftliche Bauteilherstellung mit hoher Gestaltungsfreiheit. Damit ist das RIM‑Verfahren eine attraktive Alternative zu klassischen Spritzguss‑ oder Laminierverfahren, vor allem bei mittleren Stückzahlen und anspruchsvollen Geometrien.