Glossar
Infusionsharze / Injektionsharze
Infusionsharze und Injektionsharze sind duroplastische Harzsysteme, die zur Herstellung von Faserverbundbauteilen (Composites) eingesetzt werden. Sie dienen der Imprägnierung von Fasergeweben wie GFK oder CFK und härten anschließend zu formstabilen, hochfesten Bauteilen aus.
Während Infusionsharze überwiegend unter Vakuum in offene oder einteilige Formen eingezogen werden, kommen Injektionsharze in geschlossenen Werkzeugen zum Einsatz, wo sie unter Druck eingepresst werden. Beide Harztypen sind zentrale Werkstoffe moderner Leichtbau‑ und Composite‑Fertigungsverfahren.
Infusionsharze (Resin Infusion / VIP)
Das Resin‑Infusion‑Verfahren – auch VIP (Vacuum Infusion Process) genannt – ist ein Verfahren, bei dem niedrigviskose Harzsysteme mittels Vakuum in trockene Faserhalbzeuge eingezogen werden.
Ablauf (vereinfacht):
- Trockene Gewebe (GFK/CFK) werden in der Form positioniert
- Abdeckung mit Vakuumsack und Dichtsystem
- Evakuierung des Bauraums (Vakuum)
- Einzug des Harzes in das Faserpaket
- Aushärtung (meist bei Raumtemperatur oder moderater Wärme)
Typische Harzsysteme
- Epoxidharze (EP)
- Polyurethanharze (PUR)
- Ungesättigte Polyesterharze (UP)
Infusionsharze zeichnen sich durch sehr gutes Imprägnierverhalten und lange Fließzeiten aus.
Injektionsharze (RTM – Resin Transfer Molding)
Beim Resin Transfer Molding (RTM) wird das Harz aktiv mit Druck in ein geschlossenes Werkzeug (Oberteil/Unterteil) eingespritzt. Die Fasern liegen bereits vordefiniert im Werkzeug.
Ablauf (vereinfacht):
- Einlegen der trockenen Verstärkungsfasern ins geschlossene Werkzeug
- Einspritzen des Harzsystems mittels Dosier‑ und Mischanlage
- Imprägnierung unter Druck und ggf. erhöhter Temperatur
- Aushärtung im Werkzeug
- Entformung des Bauteils
Typische Harzsysteme
- Epoxidharze (EP)
- Polyurethanharze (PUR)
- Ungesättigte Polyesterharze (UP)
- Phenoplaste (PF)
- Melamin‑Formaldehyd‑Harze (MF)
RTM eignet sich besonders für maßhaltige, reproduzierbare Serienbauteile mit hoher Oberflächenqualität.
Merkmale und Besonderheiten
- Duroplastische Harzsysteme
- Optimiert für Faserimprägnierung
- Aushärtung bei Raum‑ oder erhöhter Temperatur
- Hohe mechanische Festigkeiten im Bauteil
- Gute Oberflächenqualitäten erreichbar
- Geeignet für GFK‑ und CFK‑Anwendungen
Typische Anwendungsfälle
- Leichtbau‑ und Strukturbauteile
- Automotive‑ und Nutzfahrzeugbau
- Luft‑ und Raumfahrt
- Windenergie (z. B. Rotorblätter)
- Maschinen‑ und Anlagenbau
- Sport‑ und Freizeitprodukte
Praxisbeispiele
- CFK‑Bauteil, gefertigt mittels Resin‑Infusion mit Epoxid‑Infusionsharz
- Automobilstrukturteil, hergestellt im RTM‑Verfahren mit Injektionsharz
- GFK‑Formteil, produziert mit Vakuuminfusion bei Raumtemperatur
Vorteile und Nutzen
- Sehr gute Faserdurchdringung
- Hohe Bauteilfestigkeiten
- Geringe Porosität im Bauteil
- Sehr gutes Oberflächenfinish
- Geeignet für komplexe Geometrien
- Skalierbar von Prototyp bis Serie
Häufige Fragen (FAQ)
- Was ist der Unterschied zwischen Infusions‑ und Injektionsharzen?
Infusionsharze werden per Vakuum eingezogen, Injektionsharze unter Druck eingespritzt. - Wann eignet sich VIP besser als RTM?
Bei Prototypen, Kleinserien und großen Bauteilen mit geringeren Werkzeugkosten. - Welche Harze werden am häufigsten eingesetzt?
Epoxidharze, gefolgt von Polyurethan‑ und Polyesterharzen.
Infusionsharze und Injektionsharze sind Schlüsselwerkstoffe moderner Faserverbund‑Fertigungsverfahren. Während Infusionsharze im Vakuum‑Infusionsprozess (VIP) wirtschaftliche Lösungen für Prototypen und Großbauteile bieten, ermöglichen Injektionsharze im RTM‑Verfahren eine hochpräzise, serienfähige Produktion. Die Wahl des passenden Harz‑ und Verfahrenskonzepts entscheidet maßgeblich über Bauteilqualität, Prozesssicherheit und Wirtschaftlichkeit.