Glossar
FIPG (Formed in Place Gaskets)
FIPG (Formed in Place Gaskets) bezeichnet ein automatisiertes Verfahren zur Herstellung von Dichtungen, bei dem flüssige, meist nicht geschäumte Dichtmassen direkt auf ein Bauteil aufgetragen werden. Nach der Applikation härtet das Material aus und bildet eine fugenlose, bauteilspezifische Dichtung.
FIPG wird zur Abdichtung, Abschirmung oder Verklebung eingesetzt und ist besonders in automatisierten Industrieprozessen weit verbreitet.
Funktionsweise und Bedeutung
Beim FIPG‑Verfahren wird das Dichtmaterial mithilfe einer Dosieranlage – häufig robotergestützt – exakt entlang der vorgesehenen Dichtkontur aufgetragen. Das Material liegt dabei in flüssiger, nicht thixotroper Form vor und wird ohne vorgefertigtes Dichtungselement appliziert.
Nach dem Auftrag:
- verteilt sich das Material gleichmäßig entlang der Kontur
- haftet direkt auf dem Substrat
- härtet kontrolliert aus
- bildet eine kompakte, dauerhafte Dichtung
Durch den direkten Auftrag entsteht eine passgenaue Dichtung, die sich exakt an die Bauteilgeometrie anpasst.
Abgrenzung zu FIPFG
- FIPG (Formed in Place Gaskets):
Ungeschäumte, kompakte Dichtmassen in flüssiger Form - FIPFG (Formed in Place Foam Gaskets):
Geschäumte, elastische Dichtungssysteme
FIPG‑Dichtungen sind formstabiler und dichter, während FIPFG‑Dichtungen mehr Kompensationsfähigkeit bei Toleranzen bieten.
Merkmale und Besonderheiten
- Automatisierter, reproduzierbarer Dichtungsauftrag
- Ungeschäumte, kompakte Dichtstruktur
- Sehr hohe Maßgenauigkeit
- Gute Haftung auf verschiedenen Substraten
- Kombinierbar mit leitfähigen oder nicht leitfähigen Materialien
- Geeignet für hohe Schutzanforderungen (z. B. IP‑Klassen)
Typische Materialien für FIPG
- Polyurethan‑Dichtmassen
- Silikon‑Dichtstoffe
- Epoxidbasierte Dicht‑ und Vergussmassen
- Leitfähige Dichtmassen für EMV‑Abschirmung
Typische Anwendungsfälle
- Gehäuseabdichtungen in der Elektronik
- Automotive‑Steuergeräte
- Schaltschränke und Industriegehäuse
- Abdichtung gegen Staub, Wasser und Medien
- EMV‑Abschirmungen
- Strukturverklebungen
Praxisbeispiele
- Elektronikgehäuse, das mit FIPG zuverlässig gegen Feuchtigkeit abgedichtet wird
- Automotive‑Steuergerät, bei dem eine kompakte FIPG‑Dichtung eine hohe Schutzklasse erfüllt
- Industrieschaltschrank, bei dem eine leitfähige FIPG‑Dichtung zur EMV‑Abschirmung eingesetzt wird
Vorteile und Nutzen von FIPG
- Fugenlose, exakt applizierte Dichtungen
- Hohe Prozesssicherheit durch Automatisierung
- Wegfall vorgefertigter Dichtprofile
- Sehr gute Haftung und Dichtwirkung
- Reduzierter Montageaufwand
- Flexibel bei Bauteil‑ und Designänderungen
- Ideal für Serien‑ und Großserienfertigung
Häufige Fragen (FAQ)
- Was bedeutet FIPG?
Formed in Place Gaskets – Dichtungen, die direkt auf das Bauteil aufgetragen und dort ausgehärtet werden. - Worin unterscheidet sich FIPG von FIPFG?
FIPG‑Dichtungen sind kompakt und ungeschäumt, FIPFG‑Dichtungen sind geschäumt und elastischer. - Für welche Anwendungen eignet sich FIPG besonders?
Für präzise Gehäuseabdichtungen, EMV‑Abschirmung und Anwendungen mit hohen Dichtanforderungen.
FIPG (Formed in Place Gaskets) ist eine bewährte Technologie für die automatisierte, präzise und wirtschaftliche Abdichtung von Bauteilen. Durch den direkten Auftrag flüssiger Dichtmassen entstehen kompakte, maßgenaue und langlebige Dichtungen, die sich optimal an komplexe Geometrien anpassen. Besonders in der Automotive‑, Elektronik‑ und Industrieanwendung bietet FIPG erhebliche Vorteile in Qualität, Prozesssicherheit und Flexibilität.