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Über die Emotion zu Topleistungen

26.01.2022
Karriere Soziales Engagement

Wer in Niederwürzbach aufwächst, der muss Handballprofi werden. OK, ganz so einfach ist es nicht. Aber das RAMPF-Spielerpatronat Björn Zintel lebt seinen Traum und spielt für den Bundesligisten HBW Balingen-Weilstetten – ein Interview.

Hallo Björn, vielen Dank, dass Du Dir Zeit für uns nimmst. Wie bist Du eigentlich zum Handball gekommen? Hattest Du Vorbilder?

Sehr gerne! Tatsächlich spiele ich Handball seit ich drei Jahre alt bin. Ich komme aus Niederwürzbach, einem Dorf im Saarland mit einer großen Handballhistorie. Mein Heimatverein TV Niederwürzbach hat lange Zeit in der Bundesliga gespielt, von daher war es fast unvermeidbar, dass ich mit dem Sport anfange. Konkrete Vorbilder hatte ich keine. Es gibt so viele Weltklassespieler, bei denen man sich etwas abschauen kann – wenn ich wählen könnte, würde ich die Stärken von Andy Schmid, Kentin Mahé und Marko Bezjak kombinieren.

Was fasziniert Dich an diesem Sport am meisten?

Die Geschwindigkeit und die Fülle an Aktionen, die spontan im Spiel passieren. Im Vergleich zu einem Fußballspiel, das auch mal als „müde“ Nullnummer enden kann, passiert im Handball immer etwas!

Wann wurde Dir bewusst, dass Du gut genug bist, um eine Profikarriere anzustreben?

Da ich mein Abitur auf einer Sport-Eliteschule mit dem Leistungsfach Handball abgelegt habe, war mir schnell klar, dass ich Profi werden will. Es war sozusagen eine duale Ausbildung aus Hochschulreife und dem Traum vom Profihandball. Zuvor war ich bereits für die Jugendnationalmannschaft nominiert worden, wodurch meine Ambitionen früh befeuert wurden. De facto habe ich seit meinem 13. Lebensjahr fast täglich Handballtraining, ob in der Schule oder im Verein. 

Was war der Höhepunkt Deiner bisherigen Karriere?

Ein Highlight war sicherlich die Vize-Europameisterschaft mit der deutschen U20-Junioren-Nationalmannschaft, zusammen mit meinem jetzigen Teamkollegen Tim Nothdurft. Das war ein tolles Turnier, in dem viele Spieler im Team waren, die heute in der Bundesliga und der A-Nationalmannschaft spielen, so wie der heutige deutsche Kapitän Johannes Golla. Im Halbfinale haben wir Frankreich in der Verlängerung geschlagen – für die standen unter anderem die heutigen Weltstars Dika Mem, Ludovic Fabregas und Melvyn Richardson auf der Platte, die zurzeit alle beim FC Barcelona unter Vertrag stehen.

Nach einer schwierigen Hinrunde startet nun die Rückrunde – was haben sich die Gallier vorgenommen?

Unser Ziel ist es immer, alles in die Waagschale zu werfen und uns über die Emotion zu Topleistungen zu pushen. Die Saison ist hart, vielleicht sogar härter als im vergangenen Jahr. Und deshalb gilt es, diese Attribute in jedem Spiel abzurufen, um so die nötigen Punkte zu sammeln.

Als Profisportler spielt das Thema Ernährung sicherlich eine große Rolle. Bekommt ihr einen Ernährungsplan vom Verein, oder verzichtest Du freiwillig auf Schokolade, Chips & Co.?

Ernährung ist sicherlich ein wichtiges Thema im Leistungssport. Generell glaube ich, dass wir Handballer, zum Beispiel im Vergleich zu reinen Ausdauersportarten, hier und da eher Freiheiten haben. Ernährung wird deshalb individuell gehandhabt, Pläne bekommen wir keine. Aber wir erhalten regelmäßig Vorträge über Ernährung sowie weitere relevante Themen, von daher sind wir gut informiert und wissen, wie wir uns als Profi zu verhalten haben.

Welche berufliche oder schulische Ausbildung hast Du neben dem Handball gemacht?

Nach meinem Abitur war ich zwei Jahre lang Teil der Bundeswehrsportfördergruppe im Bereich Handball, was eine tolle Erfahrung war. Momentan absolviere ich ein Fernstudium im Bereich Wirtschaftspsychologie an der IU Internationalen Hochschule mit Sitz in Erfurt.

Wie bekommst Du Profisport und Studium unter einen Hut?

Durch das Fernstudium ist es mir möglich, meine Uni-Arbeit komplett flexibel und individuell zu gestalten. Anders wäre das meiner Meinung nach auch nicht machbar, die Präsenzphasen an einer normalen Uni sind mit dem Trainings- und Spielepensum eines Profihandballers kaum vereinbar.

Von der Organisation und Durchführung des Fernstudiums bin ich begeistert und kann das nur empfehlen!

Klar ist auch, dass man auch hier ein hohes Maß an Selbstdisziplin braucht, um sich auch an den freien Tagen an den Schreibtisch zu setzen und die Skripte und Vorlesungen aufzubereiten. Klausuren schreibe ich online von zu Hause mit einem speziellen Videoüberwachungsformat.

Was sind Deine beruflichen Ziele außerhalb des Handballsports?

Außerhalb des Handballs möchte ich natürlich mein Studium erfolgreich abschließen und dann, sofern das alles klappt, einen Master dranhängen. Ich hoffe, dass ich mich einer neuen beruflichen Herausforderung dann genauso hingeben kann wie ich es im Profisport immer tue – und nach wie vor mit einhundertprozentiger Begeisterung tun werde!

VIELEN DANK FÜR DAS GESPRÄCH – UND VIEL ERFOLG IN DER RÜCKRUNDE!