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SINNvolles Engagement für benachteiligte Kinder und Jugendliche

09.06.2022
Soziales Engagement

Betriebsrat und Belegschaft von RAMPF Production Systems spenden 1.200 Euro an die Kinder- und Jugendwerkstatt EIGEN-SINN in Freudenstadt: Hans-Martin Haist (Gründer und Leiter der Stiftung EIGEN-SINN, Zweiter von rechts) erhält die Spende von Tobias Atzberger und Heike Kammerer (Betriebsratsvorsitzende von RAMPF Production Systems; von links nach rechts) und Geschäftsführer Bernd Faller (rechts).

Es ist eine liebgewonnene Tradition bei RAMPF Production Systems, dass Auszubildende die vor Weihnachten ankommenden Werbeschenke unter den Mitarbeitenden verlosen, um die Einnahmen für einen guten Zweck zu spenden. Seit 15 Jahren kommen so jährlich einige hundert Euro zusammen, die von der Geschäftsleitung großzügig verdoppelt werden.

Eine Herzenssache, für die der Betriebsrat jährlich nach regionalen Einrichtungen und Organisationen Ausschau hält, damit die Spenden auch bedürfnisorientiert und nachvollziehbar eingesetzt werden. 

Coronabedingt konnten vor Weihnachten leider keine Lose verkauft werden, was die Beschäftigten jedoch nicht davon abhielt, die bereitgestellte Spendenbox zu füllen. Bedacht wurde dieses Mal die Stiftung EIGEN-SINN, die in Freudenstadt und Umgebung einige Einrichtungen der ambulanten Kinder- und Jugendarbeit betreibt und mit ihrem vielfältigen Angebot Kinder und Jugendliche unterstützt, die weniger behütet aufwachsen und in ihrem jungen Leben teilweise schon zahlreiche Tiefschläge erfahren mussten.

Halt und Geborgenheit geben

EIGEN-SINN ist untergebracht in einer alten Kunstschmiede und wöchentlich Anlaufpunkt für mehr als 150 Kinder und Jugendliche von etwa fünf bis 17 Jahren, die dort in 23 Gruppen unterschiedlichste Angebote einer pädagogischen Nachmittagsbetreuung in Anspruch nehmen. 

Gründer und Leiter der Stiftung ist Hans-Martin Haist, der den Besuchern aus Zimmern bei der Spendenübergabe die Arbeit seines Teams schilderte. Gegründet hat er die Werkstatt 1999, um Kinder und Jugendliche aus sozialen Brennpunkten im Kreis Freudenstadt zu holen und ihnen mit einer sinnvollen Freizeitgestaltung Halt und Geborgenheit zu geben, wenigstens an ein bis zwei Nachmittagen pro Woche.

Die Gruppen der Zukunftsschmiede, wie sie liebevoll genannt wird, sind mittlerweile alle voll belegt, teilweise bestehen Wartelisten. Über örtliche Schulen wird der Bedarf einer Zusatzbetreuung ermittelt und Kontakt zu den Eltern aufgenommen. Die verschiedenen Alters- und Interessensgruppen treffen sich meist einmal wöchentlich, um gemeinsam zu basteln, kochen, nähen, am Fahrrad oder in der Holzwerkstatt zu schrauben oder im Wald erlebnispädagogische Angebote zu nutzen. 

Stärken, Potenziale und Ziele

Die Gruppenzusammensetzung bleibt oft über Jahre bestehen und schafft so Vertrauen, Zusammenhalt und Empathie. Sie kommen aus Scheidungsfamilien, haben schwerkranke Eltern oder mussten in ihrem jungen Leben schon Gewalt, Missbrauch und Suchtproblematiken erfahren, teilweise wurden sie aufgrund mangelnder Fürsorge selbst straffällig.

Sie aufzufangen und ihnen Unterstützung, Anerkennung und Auswege zu zeigen, damit ihnen ihr Leben gelingt und wieder SINNvoll erscheint, ermutigen Hans-Martin Haist und sein Team jeden Tag aufs Neue, ihre Werkstatt zu öffnen und den Kindern und Jugendlichen mit viel Wertschätzung, aber auch wichtigen sozialen Regeln zu begegnen, die Halt und Sicherheit für ein EIGENsinniges Leben geben. 

Durch eine konfrontative Pädagogik mit Konfliktlösungsstrategien, Gewalt- und Medienprävention lernen in der Jugendwerkstatt vor allem „gestrandete“ Jugendliche, wie sie sich in der Gesellschaft besser integrieren und aus unangemessenem Verhalten lernen können.

Dabei geht das pädagogische Team vor allem ressourcenorientiert vor und sieht nicht die Schwäche, die zur Aufnahme in die Gruppe führte als Ausgangspunkt, sondern sucht gezielt nach Stärken, Potenzialen und Zielen in ihrem Leben, um diese zu fördern und zu stärken, ihnen Mut, Hoffnung, aber auch Methoden zur Selbstwirksamkeit mit auf den Weg zu geben, um sie nach vielen gemeinsamen Jahren schließlich EIGEN-SINNig wieder ziehen zu lassen.

Hoher Finanzierungsbedarf

Ein neu aufgenommenes Gruppenmitglied braucht laut Haist oftmals bis zu zwei Jahre, um sich langsam zu öffnen. Sobald die Jugendlichen die Werkstatt jedoch hinter sich gelassen haben und mit festen Beinen im Leben stehen, kommen viele von ihnen immer wieder gerne dorthin zu Besuch – eine schöne Bestätigung für die wertvolle Arbeit der Mitarbeitenden.

Ebenfalls wertvoller und SINNstiftender Pfeiler des pädagogischen Konzeptes ist die Elternarbeit, denn in regelmäßigen Elterngesprächen wird die Entwicklung des Kindes / Jugendlichen nicht nur im Werkstatt-Umfeld, sondern auch in der Schule und Familie gemeinsam reflektiert. So wirkt die wertvolle Beziehungsarbeit in der Gruppe bis in den Familienalltag hinein und gibt den Eltern in Erziehungsfragen und bei ihrer Verantwortungsübernahme praktikable Hilfestellungen.

Die meist heilpädagogische und auch erzieherische Arbeit in der Kinder- und Jugendwerkstatt wird derzeit von einem Team aus zwölf Fachkräften aus den Bereichen Sozial- und Heilpädagogik und Heilerziehungspflege geleistet, darunter auch Erziehende sowie Jugend- und HeimerzieherInnen, die zusätzlich von Kräften der Freiwilligendienste unterstützt werden. 

Der Finanzierungsbedarf der Werkstatt ist enorm, monatlich 36.000 Euro sind notwendig, um die wertvolle Gruppenarbeit zu finanzieren, denn nur wenige Kinder und Jugendliche erhalten hierfür Unterstützung vom Jugendamt. Auf Spendengelder und auch Patenschaften ist die Stiftung deshalb dringend angewiesen.

Umso mehr freute man sich in Freudenstadt über die großzügige Spende der RAMPF Production Systems, die von Geschäftsführer Bernd Faller sowie den Betriebsratsvorsitzenden Tobias Atzberger und Heike Kammerer überreicht wurde. Während ihres zweistündigen Besuchs in der ehemaligen Kunstschmiede konnten sie sich sehr eindrucksvoll von der SINN-stiftenden Arbeit überzeugen und freuten sich zu hören, dass die RAMPF-Spende für die Betreuung der Schmetterlingsgruppe und damit Kindern mit schwerstkranken Eltern zugutekommen soll – eine wahrlich SINNvolle Verwendung.

Welch‘ ein Zufall, dass die Auszubildendenwerkstatt bei RAMPF Production Systems ebenfalls den Namen „Zukunftsschmiede“ trägt. Auch hier werden Pläne geschmiedet für erfolgreiche berufliche Karrieren!

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