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26.03.2020

Leistungssport in Corona-Zeiten (1)

Die Corona-Krise hat die Welt fest im Griff. Maßnahmen über Maßnahmen werden erlassen, um die Ausbreitung von Covid-19 zu verlangsamen. Auch der Profisport ist betroffen, eine der ersten Einschränkungen war das Verbot für Sportveranstaltungen. Wir haben uns mit Handball-Nationalspielerin Marlene Zapf unterhalten – natürlich via Telefon – und Sie zur aktuellen Situation befragt:

Marlene, wie geht es Dir und welche Einschränkungen hast Du zurzeit durch die Corona Krise?

Gesundheitlich geht es mir gut. Ansonsten habe ich, wie jeder andere in Deutschland und in zahlreichen anderen Ländern der Welt auch, eine Menge Einschränkungen, die mein tägliches Leben beeinflussen. Unser Trainingsbetrieb ist eingestellt und die Bundesliga-Saison beendet. Ich arbeite zusätzlich als Lehrerin an einer Grundschule, die ja auch geschlossen wurde. Hinzu kommt, dass ich Asthma habe und dadurch zur Risiko-Gruppe zähle. Somit werde ich auch nicht für die Notbetreuung in der Schule eingeteilt. 

Nimmt man als Teil einer Risiko-Gruppe die Bedrohung durch Corona nochmal anders wahr? Und ab wann war Dir bewusst, wie ernst die Lage mittlerweile ist?

Naja, wir haben ja schon Anfang des Jahres aus China einige Infos zum Virus mitbekommen. Aber damals hat man sich nicht wirklich damit auseinandergesetzt. Als dann die ersten Fälle in Europa und Deutschland gemeldet wurden, habe ich mich intensiver damit beschäftigt. Von unserer Mitspielerin aus Italien haben wir Dinge erfahren, die uns sehr nachdenklich gestimmt haben. Und dann ging vieles ganz schnell: Wir hatten am 6. März noch ein Heimspiel vor knapp 2.000 Zuschauern, vier Tage später wurde der nächste Spieltag komplett abgesagt, am 12. März hatten wir unsere letzte Trainingseinheit. Danach hat unser Manager uns nach Hause geschickt und gemeint, dass der Spiel- und Trainingsbetrieb sicherlich längerfristig ausfallen wird. Damals hat sich das noch surreal angefühlt. Mittlerweile ist das absolute Realität.

Aber ich kann nicht sagen, dass ich das jetzt bewusster oder unbewusster wahrnehme als andere. Ich denke, jedem sollte bewusst sein, dass es sich um eine ernste Bedrohung handelt und alle einen Beitrag dazu leisten können, dass sich die Lage nicht verschlimmert.

Der Trainingsbetrieb ist in Baden-Württemberg noch bis mindestens 19. April untersagt. Was macht eine Leistungssportlerin, um sich fitzuhalten? Wie motivierst Du Dich?

Als Leistungssportler hat man immer mal wieder trainingsfreie Zeit, in der man sich fit halten muss, von daher ist die Situation zunächst nicht völlig neu. Allerdings sind die Fitnessstudios sonst nicht geschlossen, was das Krafttraining schon erschwert. Aber bisher kann ich zu Hause einiges machen, die Not macht erfinderisch. Zudem bin ich froh, dass wir zum Joggen noch raus dürfen. Aber ganz klar: Ich bin Mannschaftsportlerin und mir fehlen die sozialen Kontakte im Team. Und laufen ohne Ball macht jetzt auch nicht immer Spaß…von daher bin ich gespannt, wie die nächsten Wochen noch so werden.

Du sprichst die sozialen Kontakte an – wie haltet ihr Kontakt im Team?

Der Großteil von uns ist nach Hause zur Familie gefahren, sofern sie noch über die Grenzen kamen. Somit sind wir nicht nur über Deutschland, sondern Europa verteilt. Was ich absolut richtig finde – ich denke, in so einer Situation ist man am liebsten bei seiner Familie. Wir halten natürlich Kontakt über WhatsApp oder Telefon, aber als Team machen wir jetzt natürlich nichts mehr gemeinsam. Dadurch, dass jetzt auch im Verein einige Entscheidungen anstehen, sind wir aber schon regelmäßig im Austausch.

Was meinst du mit Entscheidungen im Verein?

Der vorzeitige Saisonabbruch hat natürlich auch dazu geführt, dass die Einnahmen aus Heimspielen weggebrochen sind. Dazu betrifft die Krise nicht nur den Sport, sondern so gut wie alle Unternehmen. Somit sind wir auch gespannt, wie sich die Lage auf unsere Sponsoren auswirkt. Definitiv steht unser Verein vor einer finanziellen Herausforderung, und dass wir da als Spielerinnen vorneweg gehen und auf Gehalt verzichten, ist für mich selbstverständlich. Ohnehin schaffen wir das nur gemeinsam.  

Das sind dann schon enorme Veränderungen, vor allem unter der Berücksichtigung, dass ihr sportlich gerade einen richtigen Lauf hattet? Tut das besonders weh? Und wie sollte Deiner Meinung nach die Saison gewertet werden?

Ich bin sehr froh, dass ich diese Entscheidung nicht treffen muss. Sicherlich wird es immer jemand geben, der am Ende unzufrieden ist mit der Saisonbewertung. Doch das wichtigste ist und bleibt die Gesundheit.

Dass der Abbruch zu einem Zeitpunkt kam, als es bei uns so gut lief, ist natürlich richtig schade, aber ich kann dem ganzen auch etwas Positives abgewinnen. Denn wenn ich jetzt zurückblicke auf unsere letzten Spiele, dann kommen bei mir nur positive Emotionen hoch. Unser letztes Spiel in der Öschhalle war der sensationelle Sieg gegen den ungeschlagenen Tabellenführer. Das hilft mir, das Team, die Fans und die Stimmung so in Erinnerungen zu behalten und die jetzigen Tage besser zu überstehen.

Positive Erinnerungen sind immer gut. Aber wie sieht es denn mit der Zukunft aus, ab wann können wir wieder mit Handballspielen rechnen?

Sehr gute Frage, die aktuell sicher nicht mal die Virologen beantworten können. Ich persönlich würde am liebsten morgen wieder spielen, aber es ist wichtig, dass wir uns an die Vorschriften halten. Es wird sicher noch einige Wochen oder auch Monate dauern, bis wir wieder in die Halle dürfen. Da wird von uns allen jetzt viel Geduld gefragt sein. Die Zeit sollten wir trotzdem nutzen, für uns selbst, die Familie oder Dinge, die wir schon lange vor uns herschieben. Einfach das Beste aus dem machen, was kommt. Und dann wird auch wieder der Tag kommen, an dem es heißt „Fans der TUSSIES, steht auf für die letzte Spielminute und feuert Eure Mannschaft an zum Heimsieg!“